Reform Befähigungswesen in der europäischen Binnenschifffahrt:
Neue Anforderungen für das nautische Personal

Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) informieren Sie über die neue Rechtslage in der Rheinschifffahrt, die ab 18. Januar 2022 gilt. Die Harmonisierung der rheinischen und europäischen Regeln der Binnenschifffahrt erfordert eine Anpassung der bestehenden Verordnung über das Schiffspersonal auf dem Rhein (RheinSchPersV). Davon betroffen sind Schiffsführerpatente, Befähigungsnachweise, sowie Schifferdienstbücher und Bordbücher.

Das bestehende Verfahren zum Erhalt von Schiffsführerpatenten und Befähigungsnachweisen bleibt nur noch bis Ende Dezember 2021 bestehen.

Alle bis zum 17. Januar 2022 nach heutiger RheinSchPersV ausgestellten Grossen oder Kleinen Rheinpatente bleiben bis zu ihrem Ablaufdatum, längstens aber bis Januar 2032 gültig. Die bestehenden Rheinpatente und gleichwertig anerkannten Schiffsführerzeugnisse müssen vor dem 18. Januar 2032 in ein neues Rheinpatent bei den SRH umgetauscht werden, ansonsten erlischt die Gültigkeit.

Zur besseren Lesbarkeit wird  ausschliesslich die männliche Schreibform gewählt; die Funktion bezieht sich jedoch auf alle Geschlechtsbezeichnungen.

Durch Inkrafttreten der europäischen Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen in der Binnenschifffahrt wurde die Reform der Berufsbefähigung auf dem Rhein Ende 2017 eingeläutet.

Im Rahmen des gemischten internationalen Ausschusses CESNI, der Zentralkommission der Rheinschifffahrt (ZKR) und der Europäischen Kommission (EK) wurden dazu umfangreiche Standards zu den Berufsbefähigungen entwickelt und verabschiedet. Damit die Schweiz ihre vollständigen Rechte im Rahmen der ZKR wahren kann, wurden die europäischen Vorschriften in das internationale ZKR-Recht übernommen. Dies führt dazu, dass die heute noch geltende RheinSchPersV vollständig überarbeitet werden musste und ab 18. Januar 2022 in einer revidierten Fassung vorliegen wird. Die Verordnung über das Schiffspersonal auf dem Rhein (RheinSchPersV) soll den Zugang zu beruflichen Qualifikationen und die Mobilität des Schiffspersonals vereinfachen.

Dabei sollen Regelwerke auf einem hohen Sicherheitsniveau harmonisiert und gleichzeitig vereinfacht werden, die Mobilität der Arbeitskräfte wird gesteigert und die Attraktivität der Arbeitsplätze erhöht.

Dies betrifft folgende Kompetenzstandards:

  • Schiffsführer und Matrosen
  • Praktische Prüfungen
  • Körperliche und geistige Tauglichkeit
  • Radarfahrt
  • Die Fahrt auf Binnenwasserstrassen mit maritimem Charakter
  • Sachkundige für Flüssigerdgas und Sachkundige für die Fahrgastschifffahrt

Über unsere Homepage Reform Befähigungswesen möchten wir Sie gerne über aktuelle Neuigkeiten und Bestimmungen informieren. Besonders die Fristen für die neuen Rheinpatente, die unmittelbar ab dem 18.01.2022 gelten und die aktuellen Rheinpatente ablösen werden, möchten wir Ihnen gerne aufzeigen.

Was ist für einen angehenden Schiffsführer ab 18. Januar 2022 neu und zu beachten?

Zusätzlich zur theoretischen Prüfung wird neu eine praktische Prüfung (ggf. Prüfung an einem Schiffssimulator) für die Position als Schiffsführer gefordert. Damit Sie ein Rheinpatent ohne praktische Prüfung erlangen können, müssen Sie sich zu einer Patentprüfung im Jahr 2021 anmelden.

Wie muss ich vorgehen, wenn mein Rheinpatent erst nach dem 18. Januar 2032 abläuft?

Sie müssen ihr bestehendes Rheinpatent zwingend vor Ablauf der Übergangsfristen in ein neues Rheinpatent bei den SRH umtauschen.

Bleibt mein Streckenzeugnis weiterhin gültig?

Ja, Sie müssen ihr Dokument jedoch in ein Streckenzeugnis nach neuer Verordnung bei den SRH umtauschen.

Bei den Anforderungen und den Fristen zur Überprüfung der medizinischen Tauglichkeit sind einige Änderungen zu beachten. Anhand von zwei Beispielen zeigen wir Ihnen diese Veränderungen auf.

Fall 1:
Es ist der 18. Januar 2022

Ich bin 50 Jahre alt und möchte mein Rheinpatent verlängern.

1.a) Wie muss ich vorgehen?

  • Arztzeugnis nach neuer Verordnung vorlegen.
  • Umtausch in ein neues Rheinpatent nach neuer Verordnung.

1.b) Wie lange ist mein neues Rheinpatent gültig?

  • Das Rheinpatent wird bis zum 60. Lebensjahr verlängert. Danach alle 5 Jahre bis zum 70. Lebensjahr
  • Ab 70 folgt eine ärztliche Untersuchung alle 2 Jahre.

Fall 2:
Es ist der 18. Januar 2022

Ich bin 65 Jahre alt und möchte mein Rheinpatent anhand des Arztzeugnisses, nach neuer Verordnung, verlängern lassen. Wie lange wird mein Rheinpatent verlängert?

  • Bis 2027 (5 Jahre) wird das neue Rheinpatent verlängert, dann muss die ärztliche Tauglichkeit erneut nachgewiesen werden.
  • Ab dem 70. Lebensjahr folgt eine ärztliche Untersuchung alle 2 Jahre.

Wie alt darf das Arztzeugnis sein?

Das Arztzeugnis darf nur innerhalb einer Zeitspanne von drei Monaten vor dem Geburtstag und bis drei Monate nach dem Geburtstag ausgestellt sein.

Beispiel: Am 01. August 2020 werde ich 50 Jahre alt; somit muss das Arztzeugnis frühestens am 01. Mai 2020 oder spätestens am 01. November 2020 von einem anerkannten Arzt ausgestellt sein.

Was passiert mit den Bordbüchern und Schifferdienstbüchern?
Beide bleiben bis 2032 bestehen, müssen jedoch vor Ablauf der Übergangsfrist, 18. Januar 2032, in ein neues Bordbuch und Schifferdienstbuch umgetauscht werden.

Was passiert mit meinen Fahrzeiten im Schifferdienstbuch?
Fahrzeiten können auch angerechnet werden, wenn diese vor dem 18. Januar 2022 erbracht wurden. Die Fahrten müssen wie bisher innerhalb von 12 Monaten beglaubigt werden.

Was muss ich als angehender Matrose bis Ende 2021 erledigen?

Überprüfen Sie, ob der Eintrag als angehender Matrose anhand ihrer beglaubigten Fahrzeiten bis Ende 2021 möglich ist.

Was ist für angehende Matrosen neu ab 18. Januar 2022?

  • Um die Funktion als angehender Matrose zu erlangen, ist eine Prüfung erforderlich.
  • Nur Fahrzeiten reichen nicht mehr für das Erlangen der Funktion aus.

Empfehlung SRH

Damit Sie einen Funktionseintrag als angehender Matrose nach aktueller RheinSchPersV erhalten können, empfehlen wir Ihnen, die Funktion bis Ende 2021 im Schifferdienstbuch eintragen zu lassen.

Sind Funktionseinträge als Bootsmann* und Steuermann* weiterhin mittels Vorlage von Fahrzeit möglich?
Nach neuer Verordnung können Sie auch zukünftig aufgrund von ausreichend beglaubigter Fahrzeit im Schifferdienstbuch die Funktion als Bootsmann und Steuermann erlangen.

Bootsmann:
eine als Matrose geleistete Fahrzeit von mindestens 180 Tagen vorweisen können.

Steuermann:
eine als Bootsmann geleistete Fahrzeit von mindestens 180 Tagen vorweisen können und über ein Sprechfunkzeugnis verfügen.

Hier finden Sie die Dokumente und Präsentationen zum Thema “ Reform Befähigungswesen“